Die Abteilung in Stichworten

Gründung: 1981

Mitglieder: zurzeit 41 Kinder und Jugendliche

Behinderungen:

  • hauptsächlich Spina bifida
  • Cerebralparese
  • erworbene Querschnittlähmung

Angebot:

  • kleine Spiele in der Halle
  • Rollstuhltraining, Übungen zur Selbständigkeit im Alltag
  • Basketball nach vereinfachten Regeln (für die Größeren)
  • Schwimmen (auch für Nichtschwimmer)
  • Freizeitangebote als Selbständigkeitstraining

Mehr Breitensport als Talentschmiede

Sebastian Vettel oder unsere Fußball-Asse wären nicht das, was sie heute sind, wenn sie nicht so früh von ihren Eltern und Trainern gefördert worden wären. Auch in der RSG Koblenz gibt es Talente, Nationalspieler und Weltmeister. Der Sinn der Abteilung Kinder-und Jugendsport aber ist weniger die Talentschmiede als viel mehr der Breitensport mit all seinen Gesichtspunkten.

Ärztliche Untersuchungen während der Schwangerschaft ermöglichen heute ein frühes Erkennen von Krankheiten und Behinderungen der Kinder. Ob ein Kind z. B. mit Spina bifida geboren wird, entscheidet sich zwischen dem 20. und 25. Schwangerschaftstag. Wird eine solche Behinderung festgestellt, erscheint manchen Eltern und auch den beratenden Ärzten und Institutionen die Abtreibung als folgerichtige Lösung des Problems. Und wenn eine Mutter ein Kind geboren hat, hört man oft Bemerkungen wie: "Junge oder Mädchen, das ist egal. Hauptsache gesund".

Wenn die Nichtbehinderung des Neugeborenen die Hauptsache ist, was soll man dann denjenigen Eltern sagen, die ein behindertes Kind haben? Oder den Erwachsenen, die durch einen Unfall zum Rollstuhlfahrer wurden? Man unterstellt gerne, dass ein kranker oder behinderter Mensch notwendigerweise auch ein unglücklicher Mensch ist. So einfach ist das nicht. Sicher haben die Eltern um ihr Kind in einem solchen Fall besondere Sorgen. Selbstvorwürfe plagen sie; oft haben sie Angst, sich in die Öffentlichkeit zu begeben, so als müssten sie sich für die Behinderung ihres Kindes rechtfertigen. Aber genauso kann man eine gegenteilige "Jetzt-Erst-Recht-Reaktion" beobachten, ein Besinnen auf Qualitäten, das Akzeptieren von Gegeben-heiten, so wie jeder Nichtbehinderte sein Geschlecht, sein Alter und - hoffentlich - sein Aussehen akzeptiert.

Was hat das alles mit Sport zu tun? An der Bildung einer solchen positiven Einstellung hat der Sport einen großen Anteil. Besonders im Kinder- und Jugend-sport der Rollstuhlfahrer können viele Ziele unauffällig, spielerisch, fast zufällig erreicht werden. Der Sport ist eines der wenigen Mittel, bei denen Therapie und Freude vereint sind. Sport kann Defizite kompensieren und Mängel ausgleichen, die z. B. entstanden sein können durch

  • Krankenhausaufenthalte
  • unverhältnismäßig häufigen Umgang mit Erwachsenen
  • zu wenig Kontakt mit Gleichaltrigen
  • konfliktarmes, überbehütetes Aufwachsen

Ziele

In erster Linie geht es nicht um die Verbesserung von Kraft, Schnelligkeit oder Ausdauer. Sie sind eher erwünschte "Nebenprodukte". Der Sport soll das ersetzen, was für die meisten Menschen in ihrer Kindheit ganz selbstverständlich ist: die Atmosphäre auf dem Schulhof oder nachmittags mit Freunden. Der Sport ermöglicht, dass Kinder mit Kindern spielen und Kinder von Kindern lernen. Wiederkommen. Das erste Ziel - so banal dies klingen mag - ist der Spaß der Kinder. Wer Freude am Sport hat, kommt wieder, und Wieder-kommen ist die Voraussetzung überhaupt, um etwas zu verbessern.

Lust am Spiel - nicht Lust am Siegen. Die Spiele sind so ausgewählt, dass es oft weder Sieger noch Besiegte gibt. Der Gedanke des Sich-Messens kommt erst viel später auf. Im Wasser muss man sich nicht bewegen, wenn man auf dem Rücken liegt und tief eingeatmet hat. Wenn man im Rollstuhl den Oberkörper auf die Knie legt, fällt man nicht heraus. Solche und andere Selbstverständlichkeiten müssen erst erfahren werden und münden schließlich in der unerwarteten Erkenntnis "Hoppla, ich kann ja was!"